Vor ein paar Wochen hatte ich die Gelegenheit eine besondere Frau zu fotografieren. Im Sommer 2014 hatte Tanja auf einmal schreckliche Kopfschmerzen, pelzige Lippen und die linke Hand war ebenfalls pelzig. Der Hausarzt wies sie sofort mit dem Verdacht auf Schlaganfall in die Klinik ein. Bei ihr wurde Idiopathische intrakranielle Hypertension diagnostiziert. Bei dieser chronischen Krankheit steigt der Hirndruck ohne erkennbare Ursache. Die Folge können unter anderem Kopf- und Nackenschmerzen, Sehstörungen, Übelkeit, Schwindel, Missempfindungen und pulsierender Tinnitus sein. Der Druck kann den Sehnerv so stark reizen, dass unbehandelt der dauerhafte Verlust der Sehfähigkeit droht. Dadurch musste sie auch ihren Beruf und damit ihre Leidenschaft die Floristik aufgeben.

Floristin

Nach der Diagnose igelte Sie sich zuerst zuhause ein und hat das Haus nur ungern verlassen. Ich habe sie gefragt wie sie dann dazu kam sich fotografieren zu lassen:

„Durch die Erkrankung habe ich meine Lebenseinstellung geändert und mich so akzeptiert wie ich bin. Das gelingt mir nicht immer, aber ich denke das geht jedem so.
Floristin
Irgendwann hatte ich den Wunsch schöne Bilder von mir machen zu lassen, zierte mich aber dann doch davor. Bis ich einen Hobbyfotograf kennen gelernt habe, der mich ermutigte diesen Schritt zu tun.

Floristin
Für das Projekt „MEIN KÖRPER“ der Menschenfotografin Lena Reiner stand ich dann zum ersten Mal vor der Kamera. Nackt und ohne großes Posing, ganz natürlich. Es hat mächtig viel Spaß gemacht. Danach folgte gleich mein zweites (Shooting). Es kamen wunderschöne Bilder dabei raus. Als ich diese zum ersten Mal gesehen habe kamen mir die Tränen, denn da habe ich erst richtig erkannt, wie schön ich doch bin. Dieses Gefühl und der Spaß an der Sache sind meine Motivation vor der Kamera zu stehen.“

Tanja

Ich finde diese Einstellung sehr gut und als Fotograf wünschte ich mir mehr Menschen hätten diese, natürlich auch ohne erst einen Schicksalsschlag erleiden zu müssen. Ich hoffe Tanjas Beispiel gibt mehr Menschen da draußen Kraft ihren Körper so zu akzeptieren wie er ist.


[1] Deutsche Gesellschaft für intrakranielle Hypertension e.V.

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